Mittwoch, 14. August 2013

Ursprung des Projektes "Salziger Kaffee" (LC)

 
"Tausend Augen"-Schirm von Mike Mathes am Donauufer.

 
 

 

Mit “Salziger Kaffee” gelingt es Katalin Pécsi in beeindruckender Weise, den leisen Stimmen der die Shoah überlebenden ungarischen Frauen Gehör zu verschaffen. Der Leser musste es zwar schon wissen: Wir stehen am Ende einer Ära. Doch während uns die Frauen noch einmal auf eine ergreifende Reise in ihre persönliche Welt mitnehmen, paart sich zu dieser Gewissheit Júlia  Vajdas beklemmende Frage: „Was wird mit uns sein, [ ] wenn die, die die Shoah erlebt haben, nicht mehr da sind?“ Aber am Anfang jeder Veränderung steht eine Frage! Nicht durch Aufrufe, vielmehr durch Teilhabe an ihrem Schicksal weisen die Frauen in „Salziger Kaffee“ gerade den jungen Lesern einen Weg heraus aus ihrer Beklemmung: sich couragiert für das Vermächtnis aller Opfer und Überlebenden der Shoah einzusetzen: „Nie wieder!“ 
(Chr. Lanyi: Klappentext für den Folgeband "Lányok, anyák" - "Töchter, Mütter")
 
 

Unerzählte Geschichten jüdischer Frauen
Wir stehen am Ende einer Ära. In ein paar Jahren existieren keine Zeitzeugen mehr, um uns über den Holocaust zu berichten. Wenn sie über­haupt schon berichtet haben, manche - wie viele jüdischen Frauen in Ungarn - fangen gerade erst an zu sprechen. Dabei sind alle Stimmen wichtig für uns.
Denn die Erinnerung an historische Ereignisse, erst recht so leidvolle, muss auch in zukünftigen Generationen aktiv gepflegt werden, damit die mit den Ereignissen verbundenen Einsichten weitergegeben und lebendig erhalten werden. Ein Mensch, der sich intensiv mit dem Schicksal und Leid von Mitmenschen auseinander gesetzt hat, ist nicht mehr so anfällig für radikale, menschenverachtende Einstellungen.
Und so lange sich die nachfolgenden Generationen der Opfer erinnern, leben sie im kollektiven Bewusstsein auch über ihren Tod hinaus weiter. Das Vermächtnis der Opfer zu bewahren, ist das Mindeste, was die Gene­rationen tun können, die die „Gnade der späten Geburt“ erfuhren.

Projektbeschreibung
 
Arbeitstitel
Sós kávé / Salziger Kaffee - Unerzählte Geschichten jüdischer Frauen
Und was haben wir dazu zu sagen?
Ungarische und deutsche Schüler/-innen treten couragiert für Toleranz, interkulturellen Dialog und demokratische Werte ein

Kurzportrait der beteiligten Lerngruppe(n)
Partnerschaft:  Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten, Deutsches Nationalitätengymnasium Budapest
Bei der Schulpartnerschaft handelt es sich um einen vor knapp 30 Jahren auf persönliche Initiative gegründeten Austausch. Es war die erste Schulpartnerschaft im Saarland mit einer osteuropäischen Schule. Bis heute besteht ein lebendiger Austausch.

Sowohl auf ungarischer als auch auf deutscher Seite sind die am Projekt teilnehmen­den Lehrkräfte von der Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugt und wünschen eine stärker inhaltliche Ausrichtung der langjährigen Schulpartnerschaft. Die Lehrkräfte erklärten ihren Wunsch zur Mitarbeit freiwillig und spontan.

Die Teilnahme der am Projekt teilnehmenden Schüler/-innen erfolgt auf freiwilliger Basis:

Am Deutschen Nationalitätengymnasium in Ungarn: Schüler/-innen der klassenübergreifend zusammen
gesetzten Theatergruppe.

Am Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten in Deutschland: Schüler/-innen der Klassenstufen 9-12.

Die beteiligten Jahrgänge (insg. ca. 260 Schüler/-innen) sind heterogen bezüglich der Lernvoraussetzungen, der sozialen und kulturellen Herkunft. Sie werden durch den jeweiligen Fachunterricht mit dem Thema konfrontiert. Die Projektinhalte werden in den beteiligten Fächern mit Lehrplanthemen verzahnt.
Beide Gymnasien unterstützen das Projekt nach Kräften. Die Projektleiter/-innen haben die erste Planung übernommen. Ab August, wenn sich die Kurse formiert haben, geht die Planungs- und Durchführungs­verantwortung auf die Schüler/-innen über, von den Projektleiter/-innen begleitet. Dies ist gewollt, um die Organisations­kompetenz der Schüler/-innen zu stärken und gleichzeitig Freiraum für die individu­elle Um­setzung des Projekts zu geben. Die Teilnehmer/-innen sollen das Projekt als ihr eigenes erfahren.

Skizze zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Projektes
Deutsch-ungarisches Projekt zur Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus, den nationalen Ausprägungen des Antisemitismus und der Diskriminierung von Minoritäten damals und heute.
Der Band „Salziger Kaffee“ mit authentischen Berichten ungarischer Jüdinnen bietet die Grundlage für das Projekt. Die Schüler/-innen können somit Geschichte aus der Perspektive der Opfer erfahren. Dadurch kommt es zur kritischen Reflektion eigener sozio-kultureller Prägungen, Vorurteile und Verhaltensweisen, und schließlich zur Ich-Stärkung und Ausbildung von Zivilcourage. Dabei wird insbesondere der direkte deutsch-ungarische Dialog zwischen den (Austausch-)Schüler/-innen produktiv sein.
Das Thema wird in verschiedenen Fächern der Klassenstufen 9-12 behandelt, der Projektfortschritt doku­mentiert und die Ergebnisse präsentiert. Hierzu gehört die öffentlichkeitswirksame Umsetzung in einem Theaterstück, das von den Schülern/-innen gemeinsam inszeniert und aufgeführt wird.

Vision:
Eine Jugend, die sich verantwortungsvoll und aktiv für die Menschenrechte einsetzt und jeder Form von Rassismus couragiert begegnet.

Leitfragen:
Wie entwickelte sich der Antisemitismus in Ungarn und Deutschland?Wie erlebte die betroffene jüdische Bevölkerung den Holocaust? (Zeitzeugen­berichte) Wie verhielt sich die Bevölkerung? Welche Möglichkeiten zur Hilfe gab es? Bespiele für Zivilcourage? Wie wurde nach dem 2. Weltkrieg mit dem Thema in Deutschland und Ungarn umgegangen? Wie ist die Situation heute? Welche anderen Bevölkerungsgruppen sehen sich als Minderheit mit Rassismus konfrontiert? Welche Möglichkeiten bieten sich der jungen Generation, sich aktiv für Toleranz und demokratische Werte einzusetzen?

 

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