Montag, 23. September 2013

Pluralität im Islam - Fortbildung am 23.09.2013 (GV, LC)

Trialog-Akademie: schulinterne Lehrerfortbildung

Pluralität im Islam

Muslime beten fünfmal am Tag, trinken keinen Alkohol und essen kein Schweinefleisch. Muslimische Mädchen müssen ein Kopftuch tragen und die Frau wird im Islam unterdrückt. Stereotype und Vorurteile prägen das öffentliche Bild vom Islam. Was den wenigsten bewusst ist: Islam ist nicht gleich Islam!
Die muslimische Szene in Deutschland ist sehr vielfältig. In vielen Institutionen allerdings wird ein überwiegend traditioneller Islam vermittelt, der oft nicht mehr der Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler entspricht. Besonders der häufig einseitigen Berichterstattung in den Medien kommt das entgegen. Der Workshop gibt zunächst einen generellen Einblick in die Grundzüge des Islams und erläutert sie aus theologischer Sicht. Sie erhalten einen Überblick über die verschiedenen Strömungen des Islams in der heutigen Bundesrepublik. In intensiven Diskussionen beschäftigen Sie sich mit der Frage, wie sich muslimische und nicht-muslimische Schülerinnen und Schüler neue Perspektiven auf den Islam eröffnen können ohne die religiösen und kulturellen Traditionen zu vernachlässigen. Schließlich geht es auch um das Erarbeiten didaktischer Methoden z.B. im Hinblick auf das Geschlechterverhältnis.

Rabeya MÜLLER ist Islamwissenschaftlerin, muslimische Theologin und Religionspädagogin. Als langjährige Leiterin des Instituts für interreligiöse Pädagogik und Didaktik in Köln gestaltete sie Lehrbücher für den islamischen Religionsunterricht, entwickelte Unterrichtsmaterialien und Lehrplaninhalte, erarbeitete interreligiöse und interkulturelle Bildungstheorien und Unterrichtskonzepte. Sie ist u.a. stellvertretende Vorsitzende des Zentrums für islamische Frauenforschung und Frauenförderung und Vorsitzende des religiösen Beirats des Departements für Islamisch-Religiöse Studien an der FAU Erlangen-Nürnberg.
Hinweis: Die Fortbildung ist Teil der neuen "Trialog-Akademie". Pro Halbjahr bietet die Herbert Quandt-Stiftung für ehemalige und aktuelle Teilnehmer des "Trialog der Kulturen"-Schulenwettbewerbs vier thematische Lehrerfortbildungen an.



 
kurze Zusammenfassung:
 
Islam: Religion, Islamismus: (Suffix: -ismus) Ideologie - für politische Zwecke benutzt; Gefahr des Freund-Feind-Schemas; in Wirklichkeit deckt der Begriff ein sehr breites Spektrum ab
 
Überblick der in Deutschland tätigen islamischen Verbände (vertreten 15% der in Deutschland lebenden Bürger islamischen Glaubens)
 
Überblick zur Debatte um den Islamischen Reliogionsunterricht:
 
ein paar Schlagworte aus der folgenden Diskussion über den Islam:
 
BARMHERZIGKEIT ist zentrale Eigenschaft Alahs (Alah = "der Gott", z.B. auch in arabischen Bibel)
 
Kopftuch-Frage: siehe 33. Sure 59. Vers: "O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunterziehen. Das ist eher geeignet, dass sie erkannt und so nicht belästigt werden. Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig."
Aus dem Koran lassen sich keine Sanktionen für das Nichttragen eines Kopftuchs ableiten.
"Eine Frau ohne Kopftuch ist keine schlechte Muslimin, eine Frau mit Kopftuch ist keine schlechte Demokratin!"
 
Diskussion über Ängste der nichtmuslimischen Öffentlichkeit, innermuslimische Ängste und Integration. Fazit: von der muslimischen Glaubensgemeinschaft soll nicht Anpassung gefordert werden, sondern
- das Zulassen eines inneren Pluralismus,
- Respekt und Toleranz gegenüber anderen Religionen und Ideologien.
 
Sharia = "der Weg zur Quelle"
Fatwa = Glaubensgutachten nicht Urteil
 
Muslime und Christen sollten sich in Deutschland nicht gegenseitig als Problem wahrnehmen, sondern schauen, welche gemeinsamen Probleme sie haben, die es zu bewältigen gilt. Sinnvoll hierbei: eigenständiges Handeln, Benennen von Unrecht, Solidarisierung mit Forderungen nach Gerechtigkeit.
 
"Wahrlich, Allah nimmt das Wissen nicht hinweg, indem Er es aus dem Gedächtnis der Menschen herausreißt, sondern Er nimmt das Wissen hinweg, indem Er die Gelehrten sterben lässt; und wenn keiner von ihnen übrig bleibt, dann nehmen die Menschen unwissende Köpfe in Anspruch, welche gefragt werden und ein Urteil geben, bei dem jegliche Grundlage des Wissens fehlt. Somit werden sie selbst abirren und aber auch die Menschen in die Irre führen." (Sahih Muslim Nr. 4828 (im arabischen))

Diskussion über mögliche Formen eines muslimischen Religionsunterrichts.

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