Freitag, 28. Februar 2014

"Innehalten" Beitrag von Simone Garve im SR 2 Radio (22. Februar 2014)

http://www.bistum-trier.de/kiosk/rundfunkarbeit/Index.html
Vorurteile überwinden
Im vergangenen Bundestagswahlkamp tauchten Plakate auf, die Gott sei Dank sehr viele Menschen als widerlich empfunden haben, zum Beispiel: „Maria statt Scharia“ und „Geld für die Oma, nicht für Sinti und Roma.“ Die Partei, die auf diese Sprüche das Copyright hat, wird vielleicht demnächst vom Bundesverfassungsgericht verboten. Nur muss man sich von der Illusion frei machen, mit der Partei würde man auch solche Vorurteile über Minderheiten zum Verschwinden bringen, wie sie die Plakate enthalten.

Von diesen Plakaten angewidert, haben wir einen Test gemacht. Wir, das waren Schüler und Lehrer des Gymnasiums am Stadtgarten in Saarlouis. Wir sind engagiert im „Trialog der Kulturen.“ In diesem Projekt geht es darum, Vorurteile zwischen den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam auf den Grund zu gehen und abzubauen. Von unserem Test waren wir geschockt. Eine Umfrage, die wir in Saarlouis durchführten, förderte jede Menge Vorurteile über Muslime zutage. Unsere Schüler haben sich dann mit Wissenschaftlern unterhalten und gefragt, wie diese Vorurteile entstehen.

Noch immer spielt der 11. September 2001 eine Rolle. Die Angst vor Terroristen wird auf „die“ Muslime übertragen. Daran hat auch die Berichterstattung mancher Medien Anteil, wenn in ihnen Muslime meist dann erwähnt werden, wenn es um Fundamentalisten, Extremisten und Selbstmordattentäter geht. Vielfach ist es auch die Angst vor allem Fremden, die Vorurteile auslöst. Und je weniger Menschen über Fremde und über Minderheiten wissen, umso eher tritt an die Stelle des Wissens das Vorurteil. Dann kommt hinzu, dass Minderheiten für Probleme im eigenen Land verantwortlich gemacht werden. Man stempelt sie zu Sündenböcken, macht sie zu Feinbildern. Wie auf den vorhin erwähnten Plakaten – ein Nährboden für Hass und Gewalt. 

Unsere Schüler haben sich vorgenommen, Menschen nicht nach ihrer nationalen oder religiösen Zugehörigkeit zu beurteilen, sondern das Individuum zu sehen. Und sie sind darauf gestoßen, dass die Goldene Regel bei Juden, Muslimen und Christen zum Glaubensgut gehört: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. Diese gute Anleitung zum Verhalten findet sich in der Tora, der Bibel und im Koran.

Autor: Simone Garve

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